Rotronic und die Neuausrichtung – Interview mit der Geschäftsleitung

Wie im Blogbeitrag vom 18. Juli versprochen, unten das inzwischen veröffentlichte und vollständige Interview (www.polyscope.ch) mit unserer VR-Präsidentin Susanne Schroff und GL-Mitglied Gary Gähwiler. Das Interview wurde von Daniel Böhler, Chefredaktor der Fachzeitschrift „Polyscope“ geführt.

Rotronic lagert ihre IT-Geschäftsfelder in die neue Rotronic-Secomp aus. Back to the Roots. Das Portfolio der Rotronic AG umfasste Produkte für die Messung von Feuchte, Temperatur und CO2, 19″-Technik, USV, Videoüberwachung, Consumer-Elektronik, Weissware und IT. Anfang 2014 lagerte das Familienunternehmen das IT-Geschäft, die Weissware und CE aus. Zu den Hintergründen nehmen VR-Präsidentin Susanne Schroff und Gary Gähwiler, Geschäftsführer Measurement Solutions, Stellung.

VR-Präsidentin Susanne Schroff: Die Neuausrichtung macht uns im Markt wieder transparenter.

VR-Präsidentin Susanne Schroff: Die Neuausrichtung macht uns im Markt wieder transparenter.


Zum 1. Januar 2014 legten Sie die Geschäftsfelder IT, Weissware und Consumer Electronic der Rotronic Schweiz und der deutschen Secomp in die europaweit agierende Secomp Holding AG zusammen. Was war der Grund dafür und welche personelle Konsequenzen hatte dies?
Susanne Schroff: Vorweg: Personelle Konsequenzen hatte es keine. Mit der Umstrukturierung wollten wir mehr Transparenz schaffen. Durch die Bündelung des IT-Distributionsgeschäfts in einem eigenen Unternehmen, dessen Mehrheit dem langjährigen Rotronic-CEO Michael Taraba gehört, wollen wir uns hinsichtlich der Wahrnehmung der Kunden klarer strukturieren und positionieren. Denn, im Laufe der Zeit wurden ständig neue Geschäftsfelder erschlossen. Die Vielzahl der Tätigkeitsfelder ist für unsere Geschäftspartner wie auch die eigenen Mitarbeitenden inzwischen schwer überschaubar. Das wollten wir ändern.

Wie gross ist die Rotronic-Secomp, wie sieht das Portfolio aus und welche Umsätze erwarten Sie?

Susanne Schroff: Die Rotronic-Secomp beschäftigt 150 Mitarbeitende, im letzten Jahr betrug der Umsatz etwa 70 Millionen Euro. Je ungefähr 30 Millionen fallen in der Schweiz und in Deutschland an, den Rest setzte die Firma in Frankreich, Grossbritannien und in den Niederlanden um. Wir sehen uns einem stark schrumpfenden PC-Markt konfrontiert. Die Lebenszeit von PC-Systemen ist länger, zudem sind die Systeme immer häufiger komplett ausgestattet, gerade etwa mobile Geräte. Das ist für Rotronic-Secomp nicht günstig. Die wegfallenden Umsätze versuchen wir deshalb mit anderen Geschäftsaktivitäten aufzufangen. Dabei setzen wir vor allem auf die Bereiche Consumer Electronics (CE), LED und weisse Ware – sprich Haushaltsgeräte wie Kühlschränke. 2013 haben wir mit diesen drei Segmenten rund 20 Millionen Franken umgesetzt. Gerade im CE-Bereich sind wir im vergangenen Jahr stärker vorangekommen als erwartet. Zu verdanken ist dies sicher auch der Partnerschaft mit Samsung, wo Rotronic-Secomp als Distributor fungiert.

Wer leitet das neue Unternehmen und ist es auch in der Schweiz aktiv?
Susanne Schroff: Die Besitzverhältnisse teilten wir wie folgt auf: Michael Taraba ist mit 65 Prozent Anteil Mehrheitsaktionär, ich selber bin mit 15 Prozent dabei; Minderheitsaktionäre mit je 10 Prozent Anteil sind COO Roland Silvestri und CFO Hansruedi Merz. Ja, die Rotronic-Secomp ist auch in der Schweiz aktiv.

Mit dieser Neuausrichtung heisst es für Rotronic – Back to the Roots: Messgeräte entwickeln, herstellen und weltweit vertreiben sowie Handel mit Messgeräten, 19“-Systemen, USV-Lösungen sowie mit Überwachungs- und Sicherheitssystemen. Liege ich da richtig?
Susanne Schroff: Ja, das stimmt so. Wobei wir – wie schon erwähnt – gegenüber dem Kunden transparenter werden wollten. Die bisherige Rotronic AG wird weiterhin Messgeräte entwickeln, produzieren und im Geschäftsbereich «Measurement Solutions» verkaufen. Ausserdem verbleibt der Bereich «Industrie», zu dem der Handel mit 19″-Systemen, USV-Lösungen sowie Überwachungs- und Sicherheitssystemen gehört, bei der «alten» Rotronic.

Im Bereich Measurement Solutions hat Ihr Unternehmen in den letzten Jahren das Angebot an Messgrössen erweitert. Verfolgen Sie diese Strategie weiter und mit was dürfen wir künftig rechnen?
Susanne Schroff: Rotronic ist weltweit einer der führenden Anbieter im Bereich Feuchte- und Temperaturmessung. Unser HygroClip2-Fühler ist wohl das genaueste Messinstrument für Feuchte im Markt. Seit bald drei Jahren haben wir unsere Messparameter kontinuierlich erweitert: nach Differenzdruck launchten wir auch Geräte für CO2-Messung. Strategisch wollen wir unser Produktportfolio ständig mit neuen Messparametern ergänzen.

Wie präsentieren Sie Ihr neu strukturiertes und positioniertes Unternehmen beim Kunden, im Markt?
Susanne Schroff: Im Bereich «Measurement Solutions» wollen wir ein starker, globaler Player bleiben und boomende Märkte mit neuen Tochtergesellschaften oder starken Distributoren erschliessen. Aber auch die drei anderen Bereiche 19“-Systeme, Videoüberwachung und USV sind erfolgreich unterwegs, und in den letzten Jahren haben wir uns hier in der Schweiz mit massgeschneiderten Kundenlösungen einen guten Namen geschaffen.

Gary Gähwiler: 80 Prozent des Umsatzes machen wir mit eigenen Produkten

Gary Gähwiler: 80 Prozent des Umsatzes machen wir mit eigenen Produkten

IoT – Internet of Things – ist heute das Schlagwort in aller Munde. Das würde sich doch auch für Ihre Messtechnikprodukte anbieten. Was ist diesbezüglich in Planung?
Gary Gähwiler: (schmunzelt) Klar – auch wir sind dabei. Internet-Dienstleister wie Google verarbeiten und werten Unmengen von Daten aus. Das bedeutet, dass auch Messgerätehersteller Anbindungen an diese Datennetze bieten müssen, um jederzeit die Messresultate im Web zur Verfügung zu stellen.

Was steckt in der Pipeline und bis wann kommt diese neu entwickelte Technologie auf den Markt?
Gary Gähwiler: Wir entwickeln im Moment ein einzigartiges Messsystem, mit dem sich drahtlos und/oder über Ethernet ein flexibles Messnetz aufbauen lässt, dessen Daten sich jederzeit über eine Browser-basierende Software abrufen lassen. Das Messsystem lässt sich sowohl mit vorhanden Bussystemen vernetzen als auch mit konventionellen Installationen. Der Verkaufsstart für diese Innovation ist auf Herbst 2015 geplant.

In welchen Märkten sehen Sie die Anwendungen für Ihr IoT-taugliches Gerät?
Gary Gähwiler: Überall dort, wo hochwertige und flexible Messtechnik zum Einsatz kommt, bietet das neue Messsystem erhebliche Vorteile. Traditionell sind Pharma- und Food-Unternehmen unsere Hauptkunden, weshalb wir die Systeme auch nach den Normen von FDA und GAMP validieren werden.

Wie verteilt sich der Umsatz in Ihrem Bereich auf Eigen- und Fremdprodukte?
Gary Gähwiler: Nach wie vor entwickeln wir 80 Prozent unserer Produkte selbst und stellen diese her. Um die Innovationskraft und Qualität sicherzustellen, wird dies auch in Zukunft so bleiben. Nur Produkte für stark preissensitive Märkte haben wir inzwischen an leistungsstarke Lieferanten ausgelagert.

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